Neue Studie: Medizinische Packungsbeilagen sind für Laien oft schwer verständlich

Ulm, 13. Dezember 2011 – Eine wissenschaftliche Untersuchung zur Verständlichkeit und Lesbarkeit
von medizinischen Packungsbeilagen bestätigt, was Patienten schon lange wissen: Die Informationen
in vielen Packungsbeilagen sind schwer bis sehr schwer verständlich. Zudem sind die Texte oft nur
unter erschwerten Bedingungen lesbar und wichtige Inhalte kaum auffindbar.
 
In dieser Studie wurden 20 Packungsbeilagen der im Jahr 2010 meistverkauften Arzneimittel von der
H&H Communication Lab GmbH und der LangCor Service GmbH untersucht. Hierbei handelt es sich
um Arzneimittel, die ohne Rezept in der Apotheke zu kaufen sind. Bei diesen Arzneimitteln sind die
Patienten auf die Informationen in den Packungsbeilagen angewiesen.

 
Wer über einen hohen Bildungsgrad oder fundierte medizinischen Fach- oder Vorkenntnisse verfügt
ist klar im Vorteil – zumindest wenn es um das Verstehen von Arzneimittelinformationen geht. Auch
gute Augen und eine gewisse Leseroutine sind hilfreich, um die oft kleinen Schriftgrößen zu lesen und
sich in den teilweise unübersichtlich aufgebauten Informationen zu Recht zu finden.
 
„Die Ergebnisse unserer Untersuchung zeigen deutlich, dass die meisten der Packungsbeilagen immer
noch nicht den Mindestanforderungen für verständliche und laientaugliche Informationen
entsprechen. Einige der geprüften Packungsbeilagen erreichen einen Schwierigkeitsgrad, der in der
Nähe einer wissenschaftlichen Dissertation anzusiedeln ist“, erklärt Oliver Haug, Geschäftsführer des
Communication Lab. 
 
Die Packungsbeilagen wurden in einem zwei-stufigen Verfahren untersucht: 
 
Im ersten Schritt wurde die Verständlichkeit anhand formaler Texteigenschaften per Software-
Prüfung ermittelt. Neben der Bewertung mit Hilfe von Lesbarkeitsformeln, wurden auch wesentliche
Einzelfaktoren betrachtet. Hierzu zählen die Verwendung langer und verschachtelter Sätze,
schwierige und zusammengesetzte Wörter, Fachbegriffe, Nominalstil sowie passive Formulierungen
und der Anteil medizinischer Fachbegriffe. 
 
Im zweiten Schritt wurde die Gestaltung (Layout) mit einem für Packungsbeilagen
zusammengestellten Leitfaden geprüft und bewertet.  
 
In beiden Prüfschritten liegt die Mehrheit der Ergebnisse unter den wünschenswerten
Mindestanforderungen. „Das Erstaunliche “, so Dr. Gunnar Box, Geschäftsführer der LangCor Service
GmbH, „ist, dass obwohl seit 2005 behördliche Vorschriften für die Verständlichkeit und Lesbarkeit
von medizinischen Beipackzetteln gelten, die Ergebnisse immer noch so enttäuschend sind.“ Die
entsprechende EU-Richtlinie sieht vor, dass die Hersteller von Arzneimittel die Packungsbeilagen so
gestalten, dass alle Patienten - unabhängig von Bildung und Alter – die Informationen finden und
verstehen können. Jedoch zeichnet die Praxis ein anders Bild. 
 
Der Aufbau von Packungsbeilagen und verschiedene Standardsätze sind von den Behörden
vorgeschrieben. Sie sind in jeder Packungsbeilage identisch. Jeder kennt schließlich den Hinweis „Bei
Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage und fragen Sie Ihren Arzt oder
Apotheker.“ Um zu prüfen, in welchem Maße diese Standardsätze die Verständlichkeit der
Packungsbeilagen beeinflussen, wurden diese gesondert untersucht.
 
In einem Vergleich wurden die Ergebnisse der jeweiligen Packungsbeilagen-Texte den Ergebnissen
der Standardsätze gegenüber gestellt um deren Einfluss auf die Verständlichkeit zu bewerten. Das
Resultat zeigt, dass die Standardsätze nach objektiven Gesichtspunkten bei nahezu allen
untersuchten Kriterien besser abschneiden, als die Texte der pharmazeutischen Hersteller. Lediglich
zwei Dokumente (Bepanthen und ASS) erzielten bessere Ergebnisse bei der Verständlichkeit als die
Standardsätze der Behörde.
 
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Ergebnisse der Studie belegen, dass es trotz der
Bemühungen von Behörden und Pharmaunternehmen noch viel Raum für Verbesserungen gibt.
Dennoch zeigen einige der Ergebnisse auch, dass es durchaus anders geht. Unter Beachtung einiger
Maßnahmen ist es möglich auch schwierige Informationen einfach und verständlich auszudrücken.   
 
Nähere Informationen finden Sie in der Studie unter:
http://www.comlab-ulm.de/aktuelles/studien/beipackzettel.php  oder
www.langcor.de/Packungsbeilagen-Studie-OTC-2010

Unternehmen:
 
H&H Communication Lab GmbH und LangCor Service GmbH
Die H&H Communication Lab GmbH ist ein Institut für Verständlichkeit. In regelmäßigen Abständen veröffentlicht das Institut Studien zur Verständlichkeit in verschiedenen Kommunikationsbereichen wie Pharma, Finanzen oder Politik. Die Leistungen des Communication Lab umfassen Beratung zu Verständlichkeit und Unternehmenssprache, wissenschaftliche Analysen von Unternehmens-kommunikation sowie die Bereitstellung intelligenter Sprachsoftware.
 
Die LangCor Service GmbH ist ein Dienstleister für die Pharma- und Medizintechnik Industrie. Die Leistungen der LangCor Service GmbH umfassen die Erstellung, und Übersetzung von Fachtexten sowie Beratung zu Sprachprozessen und dem Schreiben für Patienten. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Erstellung von patientenfreundlichen Gebrauchsinformationen für die Arzneimittelzulassung.