Prävention von altersbdingten Stürzen

Für die Lösung eines Problems ist es zunächst wichtig, die Ursachen dafür zu identifizieren und zu analysieren. Ursache für Stürze im Alter ist vor allem die Kombination einer erhöhten Sturzneigung und der gleichzeitige Verlust an Knochenmasse bzw. die verringerte Bruchfestigkeit der Knochen (Kaeding, Sportwissenschaft (1) 2009). Mit dem Auftreten von Stürzen korreliert in allen Studien signifikant die muskuläre Schwäche der unteren Extremitäten, wobei sich die Verringerung der Geschwindigkeit des Aufbaus der Muskelspannung in fortschreitendem Alter zudem negativ auswirkt. Dies alles führt zu einer altersabhängigen Inzidenzzunahme von Frakturen, vor allem der hüftnahen Fraktur. Dies ist die folgenschwerste Fraktur im Alter. Jährlich betrifft dies über 100.000 Menschen in Deutschland. Die Stürze ereignen sich in 80% der Fälle in Situationen des alltäglichen Lebens, also wo keine besonderen Anforderungen an das Gleichgewicht gestellt werden. Die Ursache ist hierfür meist ein Fehler in der Fortbewegung durch lokomotorische Störungen. 87% der von einem Sturz Betroffenen sind laut Kaeding (Sportwissenschaft (1) 2009) 65 Jahre und älter.
Die Folgen eines Sturzes sind für ältere Menschen gravierend. Sie reichen von Frakturen, Immobilität, Einschränkungen der Selbständigkeit, Pflegebedürftigkeit bis hin zum Tod.
Eine Hüftfraktur steht in direktem Zusammenhang (90%) bzw. ist meist die direkte Folge eines Sturzes. Nur durch Hüftfrakturen entstehen beispielsweise dem amerikanischen Gesundheitssystem jährliche Kosten von fast 10 Mrd. Dollar. Im Jahr 1990 kostete dort eine stationäre Behandlung für einen Patienten mit Hüftfraktur im Mittel 9.500 Dollar. Die Kosten für nachstationäre Maßnahmen beliefen sich auf 9.900 Dollar pro Patient. In Deutschland vermutete man für die Zeit von 1987 bis 1989 allein für die alten Bundesländer 70.000 Hüftfrakturen. Die Prognosen für 2030 belaufen sich auf 93.000 pro Jahr (Kaeding, Sportwissenschaft (1) 2009).
Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken und den Menschen im Vorfeld zu helfen und damit den Auslöser, den Sturz, zu verhindern, wurde das Vibrationstraining entwickelt. Hierbei nutzt man den Effekt mechanischer Schwingungen, die auf die Muskulatur übertragen werden. Eine Intensitätssteuerung erfolgt über Satzdauer, Frequenz und Amplitude der Bewegung. Es werden dabei zwei Methoden unterschieden:
Bei einer Methode kommt es zu einer vertikalen Schwingung, die eine Veränderung der Gelenkwinkel verursacht und damit eine Dehnung der Muskelspindeln hervorruft. Darauf folgt eine reflektorische Kontraktion des betroffenen Muskels und die Durchblutung steigt. Die bei Personen mit geringem Ausgangsniveau erreichbare Kraftsteigerung ist vergleichbar mit einem konventionellen Krafttraining. Bei diesen Personen ist zudem eine Muskelhypertrophie möglich.

Die zweite Variante wird vor allem im medizinisch therapeutischen Bereich, bei Krankheitsbildern die das Nervensystem betreffen, eingesetzt. Hier führen stochastische Resonanzvibrationen zu einer starken muskulären und neuronalen Aktivität. Dies kann eine Verbesserung der Koordinationsfähigkeit und damit auch eine Verbesserung der Gleichgewichts- und Gangfähigkeit zur positiven Folge haben (Kaeding, Sportwissenschaft (1) 2009).

Vor der Aufnahme eines Vibrationstrainings sollte immer eine sportärztliche Untersuchung durchgeführt werden, um Kontraindikationen auszuschließen. Neben der Einweisung durch geschultes Personal sind Fitnesskleidung und Sportschuhe, die ausreichend Halt bieten, Voraussetzung für ein Vibrationstraining.
Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass Vibrationstraining zur Sturzprävention eingesetzt werden kann. Jedoch sind weitere Studien, die diese These festigen, von Nöten. Als Vorteil des Vibrationstrainings erweist sich der relativ geringe zeitliche Aufwand und die gute Annahme durch die Probanden. Allerdings lassen sich nur schwer Angaben zu optimaler Frequenz, Amplitude, Satzlänge, Körperhaltung und Übungen machen.