Was sind die Kennzeichen eines Renaissance-Möbel?

Die Renaissance, jener kunstgeschichtlichen Epoche, die das klassische griechische und römische Altertum wieder aufgriff, war eine Zeit großer Veränderungen in Wissenschaft, Kunst und Gesellschaft.

Die anspruchsvoller gewordenen Wohnbedürfnisse des nun wirtschaftlich erstarkten Bürgertums sowie technische Neuerungen verursachten im Verlauf des 15. Jahrhunderts zu einer rasanten Entwicklung im Möbelbau. Man orientierte sich nun stark an der Architektur, indem man Gliederungsprinzipien der Außenfassaden auch auf die Möbelstücke übertrug. Kastenmöbel beispielsweise wurden nun auf Socke aufgesetzt und oben durch eine auskragende Attika betont. Balustren, die zur Verzierung von Gebäuden bekannt waren, dienten nun auch als Vorlage für Tischbeine und –untergestelle. Neben Tischen gehörten nun auch Stühle zur Inneneinrichtung. Tragbare Falt- und Scherenstühle, deren Sitzfläche aus Tapisserie oder Leder gefertigt waren, kamen in Mode. Als weiteres Sitzmöbel wurden so genannte Chaires, eine Art Kastensitz mit hoher Rückwand und Armlehnen entworfen.

Möbel als Raumschmuck – die Truhe als repräsentative Inneneinrichtung

Insgesamt dominierten niedrige Möbel, häufig verziert mit hochwertigem Schmuck aus Schnitzwerk, Stuck, Vergoldungen und Malereien. Wie auch in der Gotik, blieb jedoch ein Möbelstück sehr weit verbreitet – die Truhe. In Italien entstand eine Art geschmückter Truhe, der so genannte Cassone, dessen Vorderwand und Schmalseiten teils reich mit Stuck, Goldauflagen und Malereien verziert wurde. In ihrer Gestaltung lehnt sich der Cassone an römische Sarkophage an. Ein weiteres Hauptmöbelstück der Renaissance ist die so genannte Cassapanca, eine Truhenbank, die mit einer verzierten Rückenlehne sowie geschmückten Armlehnen ausgestattet war. Weitere Haupttypen sind Credenzone (eine Anrichte) und Cassettone (ein Schubladenschrank).

Im Verlauf des 16. Jahrhunderts setzten sich reiche Einlegearbeiten an den Möbeln durch. Die Möbel wurden nun vorrangig aus Nussbaum statt aus Eiche gefertigt und mit fantasievollen Schnitzarbeiten verziert. In Süddeutschland blieben die aus weichem Nadelholz gefertigten zweigeschossigen Schränke mit sehr betonter Horizontaltendenz dominant. Die Grundkonstruktionen veränderten sich nicht, doch im Laufe der Zeit wurden die Möbelfassaden mit einer teilweise unüberschaubaren Fülle von Intarsien und architektonischen Elementen versehen. Im Norden Deutschland dagegen blieben in Eichenholz ausgeführte Schnitzereien modern. Im Süden sowie in Sachsen setzte sich sogar Stein, welches am Hof damals gerade als Modematerial galt, auch in der Innenarchitektur und dem Möbelbau durch.