"Spontanzauber" - Die neue Fotoarbeit über Rollenspieler von Alf Maron

 

Sie erleben Abenteuer, erforschen fantastische Welten, lösen Rätsel, erschlagen Bösewichte, erretten holde Damen vor üblen Schuften oder schlüpfen in die Rolle ihres persönlichen Manga oder Anime Helden...all dies findet im Genre Rollenspiel ein zu Hause. Menschen tauchen ein in eine fantastische Welt, indem sie als Fabelwesen verkleidet mit Gleichgesinnten durch die heimischen Wälder ziehen und fiktive Schlachten epischen Ausmaßes von Gut gegen Böse nachspielen und erleben. Sie spielen mächtige Zauberer und Helden, die sich mit anderen Weltenwanderern um Ruhm, Wissen und Macht duellieren. Rollenspiel ist ein Konzept eines interaktiven Spiels, bei dem der Spieler die Rolle eines fiktiven Charakters übernimmt und in einer erdachten und simulierten Welt durch eigenständiges Handeln den Spielverlauf mitbestimmt. Dem Konzept wird bisweilen mit Vorurteilen begegnet. Kritiker werfen Rollenspielern Realitätsflucht vor, indem sie das Rollenspiel als eine Flucht- und Ausbruchshaltung gegenüber gesellschaftlich allgemein anerkannter Regeln ansehen. Diesem negativ besetztem Bild nimmt sich die Fotoreihe ›Spontanzauber‹ an. Die Arbeit des Berliner Fotografen zeigt Fotografien von 7 Rollenspielern aus zum Teil unterschiedlichen Rollenspielgattungen: LARP (Live Action Role Playing), Cosplay und Trading Card Game. Die Protagonisten der Bilder wurden über einen Zeitraum von einem halben Jahr fotografisch begleitet. Parallel dazu sind Interviews entstanden, die zusammen mit den Fotografien einen exemplarischen Blick auf das Rollenspiel gewähren und Momentaufnahmen der Porträtierten darstellen. Die Aufnahmen offenbaren die unterschiedlichen Gratifikationen der einzelnen Rollenspielgattungen. Spricht man vom Rollenspiel, so wird meist der Wunsch des Spielers, in andere Rollen zu schlüpfen und selbst geschaffene Identitäten anzunehmen, in den Fokus gerückt. Dabei spielen die Dimensionen der Bedürfnisse der Unterhaltung, die Entdecker- und Machtwünsche der Spieler sowie das Zusammenspiel und die Pflege von sozialen Kontakten eine ebenso wichtige Rolle. Die spielerische Auseinandersetzung mit den eigenen Fähigkeiten und der Umwelt begleitet den Menschen ein Leben lang. Das Spielen des Menschen ist ein Ausdruck seines Bedürfnisses, sich spielerisch mit anderen zu messen und Demonstration von Lebensfreude und Fantasie. Seit Beginn der Menschheit spielt der Mensch. Durch die weltweite Verbreitung und der Form als Kommunikation zwischen Menschen jeglichen Alters, stellt das Spielen eine universelle Sprache dar. Es darf als Elementarbedürfnis des Menschen angesehen werden. Johan Huizinga hat das Spiel in seinem Werk ›Homo Ludens‹ folgendermaßen definiert: »Spiel ist eine freiwillige Handlung oder Beschäftigung, die innerhalb gewisser festgesetzter Grenzen von Zeit und Raum nach freiwillig angenommenen, aber unbedingt bindenden Regeln verrichtet wird, ihr Ziel in sich selber hat und begleitet wird von einem Gefühl der Spannung und Freude und einem Bewusstsein des ›Andersseins‹ als das ›gewöhnliche Leben‹.« In den dokumentarischen Fotografien werden die Spieler und ihre innewohnende Individualität in den Vordergrund gerückt. Gleichzeitig werden die Unterschiede der verschiedenen Rollenspiele aufgezeigt und somit die unterschiedlichen Dimensionen der Gratifikation des Rollentausches vergleichbar.
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