Die Sklavenküsten von Westafrika

Schon lange vor der Ankunft der ersten Europäer existierten in Westafrika Formen von Sklaverei. Sklaven kamen vor allem im Haushalt und in der Landwirtschaft zum Einsatz. Die Versklavung von Menschen geschah aufgrund von Kriegsgefangenschaft, Überschuldung oder auch durch den Verkauf von Kindern. Ein beträchtliches Ausmaß erreichte der Sklavenhandel in Westafrika bereits in den mittelalterlichen Reichen wie Ghana, Mali und Songhai. Für diese Handelsmächte stellte er einen bedeutenden Wirtschaftszweig dar, sie betrieben ihn auch über die Handelsrouten durch die Sahara mit den nordafrikanischen Völkern.

Ab dem 15. Jahrhundert begannen die in Westafrika eintreffenden Portugiesen, aus der Geiselnahme bzw. dem Verkauf von Afrikanern Profit zu schlagen. Um 1450 erhielten sie dafür sogar die Erlaubnis des Papstes. Spätestens ab dem Ende des 17. Jahrhunderts machten sich sämtliche europäische Kolonialmächte die in Afrika bereits existierende Sklaverei in großem Stil zunutze und befeuerten damit den Sklavenhandel in Westafrika enorm. Nur selten gingen die Europäer aber selbst auf Sklavenjagd. Viel üblicher war es, bereits versklavte Menschen von den Afrikanern günstig anzukaufen. Diese verschiffte man dann gewinnbringend in die neuen Kolonien nach Amerika, wo sie als Zwangsarbeiter in Bergwerken und auf den riesigen Plantagen eingesetzt wurden.

In Europa brachte das im 17. Jahrhundert beginnende Zeitalter der Aufklärung aber eine verstärkte Ablehnung gegenüber Sklaverei und Leibeigenschaft mit sich. Diese Entwicklung führte zunächst zum Verbot des Handels mit Sklaven in vielen Staaten, speziell über den Atlantik. Das für den Sklavenhandel in Westafrika maßgeblich mitverantwortliche Großbritannien etwa erließ ein solches Verbot 1807. Nur ein Jahr später verhängten auch die Vereinigten Staaten, die wichtigsten Sklaven-Importeure, ein Sklavenhandelsverbot. Ein endgültiges Verbot der Sklaverei an sich konnte sich jedoch erst später durchsetzen, in den USA etwa nach dem amerikanischen Bürgerkrieg 1865. Als letztes Land der Welt schuf das westafrikanische Mauretanien die Sklaverei erst 1970 formal ab. Dort, wie auch im Rest Westafrikas, ist die Sklaverei aber nach wie vor ein verbreitetes Phänomen.