Selbstverwirklichung statt Hingabe

Jeder kennt es: das bohrende Bedürfnis nach der tiefen, der erlösenden Liebe. Denn je nüchterner die Lebensabschnittsbeziehungen ausfallen, umso stärker wächst das Bedürfnis nach dem Authentischen, nach dem Spontanen, dem Überwältigenden des so genannten romantischen Augenblicks. Wir haben eine gewisse Intensität verloren, eine gewisse Glut. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts war die romantische Empfindung sehr nah an einem religiösen Gefühl. Statt Hingabe und Mitgefühl setzt man heute indes mehr auf Selbstverwirklichung - und der Traum von Selbstlosigkeit verwandelt sich in Vorstellungen von Reisen zu Last-minute-Preisen.
 
Diese Art von gänzlicher Hingabe ist tatsächlich aus der heutigen Kultur verschwunden, in der die Leute enorm berechnend sind, strategisch denken und sich ihrer Auswahl sehr bewusst sind. In der Konsumgesellschaft zählt das Paar, das Spaß miteinander hat. Daran ist grundsätzlich auch nichts auszusetzen. Moderne und professionelle Online-Partnervermittlungen aber erinnern uns daran, dass da noch etwas anderes ist und war - jenseits der Waren: etwas wie eine Utopie der Liebe.